Test: Trainingsgerät TurnTillBurn
Auf dem Prüfstand bei den Trainingsgeräten für Fingerkraft steht heute das TurnTillBurn von der gleichnamigen schweizer Firma.
Es verspricht wie der Name erahnen lässt glühende Unterarme. Das Trainingsgerät kommt eigentlich recht unscheinbar daher, aber ich kann schonmal vorwegnehmen das es brennt! Aber so richtig. Ob das auch beim klettern was bringt wird der Praxistest zeigen.
Erster Eindruck
Wie oben schon erwähnt, war ich wirklich überrascht. Das TurnTillBurn ist ein Stahlrohr, gelagert auf Rillenkugellagern. Nicht mehr und nicht weniger. An den Enden findet man jeweils eine Platte mit einem Loch, welches zum befestigen an einer Reckstange oder an der Decke dient.
In der Mitte des weissen Rohrs befindet sich der Logoschriftzug. Das Rohr lässt sich ohne widerstand rollen, kein Geräusch kein “eiern”.
Dem Gerät liegt ein Faltblatt bei auf dem man Sicherheitshinweise und Befestigungstips findet. Auf der Rückseite gibt es natürlich auch einen Basistrainingsplan. Alles in allem ein rundes Paket.
Befestigung & Vorbereitungen
Das TurnTillBurn muss freihängend angebracht werden, wo bleibt dem Benutzer überlassen.
Mögliche Befestigungsmöglichkeiten wären zB.:
- Decke in der Wohnung / Haus (sofern das Management mit macht)
- Reckstange im Trainingsraum / Fitnessstudio
- Balkonunterseite
- In der Kletterhalle deines Vertrauens
Die einzigen Regeln zum aufhängen sind zum einen, freihängend und zum zweiten müssen die beiden Seile oder Bandschlingen die man verwendet parallel zueinander verlaufen, sonst hängt das Trainingsgerät schief was die Laufeigenschaften beinträchtigt.
Meine Wahl viel auf die Zimmerdecke. . .
Man benötigt zwei Hacken. Hängemattenösen oder Ösenschrauben bieten sich da am besten an. Zwei Dübel passend für deine Deckenkonstruktion, zwei Bandschlingen, zwei Karabiner und eine potente Schlagbohrmaschine wie zum Beispiel ne Hilti ;) (die Länge der Bandschlingen richtet sich nach deiner Körpergröße, dazu aber gleich mehr)
Die Arbeit ist mit ausmessen, anzeichnen und bohren innerhalb von 10 Minuten ruckzuck erledigt. Das TurnTillBurn sollte idealerweise 15cm über dem Kopf hängen. Die Länge der Bandschlinge beziehungsweise des Seils lässt sich grob berechnen: Zimmerhöhe – (Körpergröße + 15cm + Hackenlänge).
Nachdem das Gerät hängt sollte man noch eine weiche Unterlage, eine Matratze oder ein CrashPad unterlegen. Ist das geschehen kann es losgehen…
Handhabung & Übungen
Der Hersteller legt einen übersichtlichen Trainingsplan bei, den man natürlich nach belieben variieren kann.Das Training baut auf vier Etappen auf. Beginnend mit Aufbautraining (Hypertrophie), was was die Muskelkraft und -masse vergrössert, folgt das Maximalkrafttraining (intramuskuläre Koordination). Als dritte Etappe wird die Kraftausdauer (aerobe Kapazität) trainiert. Hat man die letzten 2-4 Wochen Erholungsetappe hinter sich, liegen zwischen 11 und 21 Wochen brennende Unterarme hinter einem.
Am TurnTillBurn kann je nach Trainingsstand einarmig, zweiarmig oder auch nur mit einzelnen Fingern trainiert werden.
Die Übungen unterscheiden sich eigentlich nur durch Menge der Wiederholungen und durch kürzere oder längere Pausenzeiten.
Der Ablauf der Übungen ist immer gleich. Die gelagerte Stange wird mit den Händen um griffen und man hängt frei, oder man nimmt sich, eben je nach Trainingsstand oder Eigengewicht, einen Stuhl zur Hilfe, auf dem man die Füsse stellt um etwas Gewicht zu reduzieren.
In dieser Ausgangsposition rollt man sich nun über die einzelnen Fingerglieder nach unten ab, gerade soweit das man nicht abfällt.
Anfangs erfordert das ein wenig Geduld und Koordination, aber nach wenigen Versuchen sollte man das ganze dann raus haben. In der Endstellung wird nun dynamisch wieder eingerollt, also vom Fingerendglied zurück in die Ausgangsposition.
Hört sich simpel an aber nach der ersten Aufbaueinheit brennt es gewaltig und es macht Laune. Mit einem dicken Grinsen und geschwollenen Unterarmen stand ich damals vor Kathy, die nur den Kopf geschüttelt hat ;)
Man kann und sollte sich natürlich nicht wie wild an den Trainingsplan halten. Ein wenig Abwechslung durch einarmige Ausführung der Übungen, oder den Handrücken nach aussen gedreht anstatt hin zum Körper ändern die Belastung und bringen vielleicht neuen Schwung ins Training.
Der Plan ist durchdacht und bietet einen Überblick über das Machbare am TurnTillBurn.
Preis & Lieferung
Das TurnTillBurn kann nur über das Internet direkt bei TurnTillBurn bezogen werden. Der Preis beträgt 78,- Euro zu dem dann noch 20,-Euro Versand hinzukommen. Auf der Website wird noch auf mögliche Zollgebühren hingewiesen. Bei mir waren das knapp 15,- Euro. Das ist aber Glückssache oder persönliches Pech. Also im schlimmsten Fall kommt man auf 113,- Euro.
Die Lieferung funktionierte einwandfrei. Einzig der Zoll lies sich Zeit.
Fazit
Wenn ich zum Abschluss noch etwas negatives aufzählen müsste, wäre das wohl die Oberfläche der Stange. Sie ist vielleicht für manche ein wenig zu glatt. Letztendlich schont das aber die Fingerhaut. Die Übungen werden ja wie oben erwähnt bis zur Erschöpfung durchgeführt, was schlußendlich zu einem abrutschen an der Stange führt. Daher wäre eine angeraute oder gar strukturierte Achse eher unangenehm. Alles in allem ein rationelles Trainingsgerät so wie vom Hersteller auf der Website beworben. Es tut genau das was es verspricht. Zusammen bringt der durchdachte Trainingsplan und das TurnTillBurn die Fingerbeugemuskulatur der Unterarme zum glühen. Die vorgeschlagenen Einheiten lassen sich natürlich variieren, damit das ganze nicht eintönig wird. Wie bei allem neuen sollte man sich zuerst einmal mit dem Gerät vertraut machen, und sehen wie der Körper auf das Training anspricht und reagiert. Zu schnell sind schon mit anderen Geräten oder Übungen Verletzungen durch Übertraining passiert. Das Trainingsgerät belastet, sofern richtig genutzt, die komplette Fingerbeugemuskulatur. Das ist ein imenser Vorteil gegenüber anderen Fingertrainern.







Hallo Marcus!
Auf climbing.de hat auch schon mal jemand was dazu gesagt (http://forum.climbing.de/viewtopic.php?start=0&sd=d&t=13961), konnte es aber leider nicht mit anderen Trainingsmöglichkeiten zu Hause vergleichen, was Effektivität, Spezifisches Training, Umsetzen an der Wand etc. angeht – kannst Du da vergleichen?
(btw. ist im erwähnten Thread auch ein 5€-Nachbau aus 2 Reepschnüren und einer Besenstange erwähnt, denkst Du es lohnt sich den Unterschied zu berappen und wie lange trainierst Du denn jetzt schon am turn-till-burn? Und was ist mit dem Unterschied dynamische Muskulaturbelastung am turn-till-burn vs. statisches Halten von Griffen in der Realität als aufgestellte/halb aufgestellte/hängende/etc Griffe?)
Ansonsten interessanter Post!
Viele Grüße,
David
Hi David,
also den post auf climbing.de hab ich durchaus schon gelesen. Ich will mal versuchen deine Fragen so gut es geht zu beantworten. Ich trainiere nun seit knapp 7 Wochen, jeweils 2 Tage, dh. bin momentan in der Aufbauphase. Klar ersetzt das TurnTillBurn keine Technik, aber ich würde mal sagen das meine Unterarme mehr Umfang bekommen haben, hab es aber leider versäumt zu messen. Was mir seit dem Training wirklich aufgefallen ist, ist die Tatsache das mir Zangegriffe leichter Fallen. Du kennst das ja was einem nicht liegt wird nicht oder kaum traininert. Beim TurnTillBurn bleibt dir ja nix anderes übrig als den ganzen Muskel zu belasten.
Zum Nachbau kann ich leider nichts sagen, ausser das es vielleicht das gleiche Prinzip hat. Im Endeffekt kommst du auch mit nem Trabi genausogut nach Berlin wie mit nem Porsche, nur nicht so schnell ;)
Was ich damit sagen will ist das der Nachbau bestimmt ähnliche Erfolge erziehlen kann, ich es aber eigentlich nicht Vergleichen kann. Das TurnTillBurn ist wirklich super verarbeitet, es ist wartungsfrei und robust. Ich für meinen Teil würde mir es wieder kaufen. Es gibt ja auch günstige Hangboards und teurere, welches nimmt man?
Der Unterschied zum statischen halten von Griffen beschränkt sich ja immer auf die momentane Haltung du trainierst eigentlich immer nur den momentan benötigten Muskelbereich. Durch das drehen dynamisch oder nicht wird der komplette Fingerbeuger belastet. Was sich später wiederum automatisch auf jede erdenkliche Griffform auswirkt.
Du kannst also eigentlich jede Griffform trainieren außer die aufgestellten Finger. Dazu dient dann der dritte Kandidat in meiner Testreihe ein Trainingsboard von HRT.
Ich hoffe ich konnte dir helfen, wenn nicht gib Bescheid.
Danke! Hat mir auf jeden Fall geholfen, habe das Buch noch irgendwo und werde wohl mal selbst etwas experimentieren, scheint sich ja zu lohnen ;)
Eine Abwechslung denke ich bringt immer was, hält nicht nur die Motivation hoch sondern bringt den Muskeln auch neue Trainingsreize wenn die Beanspruchung immer wieder mal variiert wird und man sich an etwas “Neues” gewöhnen muss ^_^
Viele Grüße,
David
Ein sehr durchdachtes Gerät welches im Gegensatz zu Fingerboard oder wirst roller (beide isometrisch) konzentrische mit exzentrischer Muskelarbeit verbindet. Ich würde die Stange aber trotzdem wenigstens mit etwas texture versehen, notfalls kommt da tape drum!