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Test: Scarpa Feroce Kletterschuh

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Der italienische Schuhhersteller Scarpa brachte 2008 den Feroce auf den Kletterschuhmarkt. Eine Fusion zwischen dem damals bereits erhältlichen Spectro und der ebenso neuen Modelle Mago und Booster. Durch einen schmäleren Leisten und die neue XS-Grip Sohle von Virbam soll der Feroce die Lücke zwischen Highendwaffe und bequemen Kletterschuhen schliessen. Der Test wird zeigen ob er das schafft.

Erster Eindruck

Feroce – erbarmungslos, wild!

Scarpa Feroce Auspacken

Scarpa Feroce Auspacken

Schon nach dem Auspacken erkennt man eine gewisse aggressive Aufmachung. “Feroce” prangert auf der oberen Lasche der in papageirot gehaltenen Allzweckwaffe. Ein starker Downturn der zusammen mit einer ausgeprägten Zehenspitze und einer moderate Vorspannung den Weg frei für Überhänge macht.  Die flache Zehenbox macht einen bequemen Eindruck. An der Ferse sind neben den zwei Einstiegslaschen auch Leisten, ähnliche eines Widerhakens zu sehen, was einem das hooken erleichtern soll. Drei Velcros, die gegenläufig angebracht sind, bieten einem die Möglichkeit den Schuh perfekt an den eigenen Fuß anzupassen.

Die Zehenbox ist fast komplett mit Gummi besetzt, Toehooks sollen so besser kleben. Durch die X-Tension Mittelsohle ist auch der Rest des Schuhs fast komplett mit Gummi bedeckt.

Verarbeitung und Material

Bei der Verarbeitung fällt mir nichts ungewöhnliches auf. Die sichtbaren Nähte sind gerade. An den gummierten Teilen sind keine Klebestellen zu sehen und die Kanten sind einwandfrei geschliffen. Auch die Nähte im Schuh sind flach und mit der Hand kaum zu ertasten. Sehr wichtig für Leute mit langen Zehen, es gibt keine Nähte auf der Oberseite der Zehenbox, also kein drücken oder reiben auf den Zehen.
Die Zunge ist von innen mit Loricamesh bestückt, der Rest des Schuhs hat kein Futter.

Technik und Eigenheiten

Scarpa Feroce XS Grip

Scarpa Feroce XS Grip

Obwohl der Feroce ein Mix zwischen Spectro Mago und Booster ist, fallen äußerlich kaum Ähnlichkeiten auf. Aber es zählt ja bekanntlich Hubraum und nicht der Spoiler.
Beim Feroce kommt wie beim Mago und Spectro das TPS-Insert zum Einsatz. Das Toe Power Support Insert ist eine Wölbung unter den Zehen, die verhindert das sich die Zehen aufstellen. Man muss also mit geraden Zehen klettern und bringt somit automatisch mehr Kraft auf die Tritte. Für mich war es kein unangenehmes Gefühl, aber durchaus recht ungewöhnlich, vergisst man es aber nach ein paar Klettermetern.
Der Feroce ist auch im X-Tension System gefertigt. X-Tension das sind in “X” Form angebrachte Randgummis in unterschiedlichen Spannungen. Dies unterstützt den Fuß ungemein und wirkt zusammen mit dem durchgezogenen Sohlengummi der Verformung des Schuhs entgegen.
Das neue XS-Grip Gummi von Vibram findet auch hier seinen Platz. Die Gummimischung verspricht fabelhaften Grip und Sensibilität zugleich.

Technik und Innovationen bietet der Feroce wie die anderen Highend Scarpa Kletterschuhe genug. Ob diese Technikhighlights auch wirklich was bringen wird sich im Praxistest zeigen.

Klettern & bouldern

Scarpa Feroce Loecher stehen

Scarpa Feroce Loecher stehen

Wie oben schon erwähnt fühlt sich der Feroce in überhängendem Gelände wohl. Beim ersten klettern im Überhang war ich schwer geschockt, nicht weil der Schuh schlecht abgeschnitten hat, sondern weil ich noch nie solch ein Gefühl hatte. Es fühlte sich fast an als würde man sich an den Tritten heben, man klebt förmlich daran. Das liegt zum einen wohl an der guten Mischung von Vibram, aber zum Großteil eher an der Kraftübertragung auf die Zehen, was dem TPS zu verdanken ist.

Scarpa Feroce Reibung

Scarpa Feroce Reibung

Durch die mäßige Vorspannung eignet sich der Feroce auch zum Reibungsklettern, zwar ist das nicht seine Königsdisziplin, aber es funktioniert prima. Kleine Tritte sind für den Feroce kein Thema. Durch das X-Tension System behält der Schuhe in alle Richtungen seine Stabilität. Man muss durchaus Kraft auf die Zehen bringen aber der Scarpa Feroce unterstützt hierbei einwandfrei. Scarpa hat hier eine gelungene Mischung zwischen Sensibilität und Stabilität gefunden.
Neben dem TPS fand ich die Widerhacken zum hooken recht interessant. Meine Ferse füllt den Schuh komplett aus, seitlich ist aber geringfügig Luft. Also schonmal gute Vorraussetzungen fürs hooken. An normalen großen Tritten, an denen man sowieso die komplette Ferse anlegen kann, spielen diese Hookhilfen keine Rolle. Werden die Tritte kleiner oder mutieren zu Leisten, helfen die kleinen Dinger durchaus nach.

Die stark gummierte Zehenbox erfüllte auch Ihren Zweck. Toehooks waren trotz dieser Gummierung mit Gefühl zu setzen. Einzig mit der Klebekraft der Ferse und der Sohle kann Sie nicht mithalten.

Eckdaten

Konstruktion: Velcroschuh
Obermaterial: Kunstleder
Futter: Teilweise Lorica (Zungeninnenseite) sonst keins
Vorspannung: mäßig
Downturn: stark
Leistenform: asymmetrisch
Besohlung: 4,5 mm Vibram XS-Grip
Verschluss: drei Velcrostraps (gegenläufig)
Extras: TPS (Toe Power Support), Gummibesätze an der Ferse,X-Tension Mittelsohle
Farben: Parrot (rot)
Größen: 33,5 bis 45
Gewicht: 535g (bei Schuhgröße 39,5)
Preis: 129,95€

Fazit

Scarpa Feroce Kanten

Scarpa Feroce Kanten

Scarpa hat hier wirklich eine reife Leistung abgegeben. Der Schuh schlägt sich in allen Disziplinen wacker. Sensibel und doch Stark genug um den Fuß zu unterstützen. Die drei Velcrostraps bieten eine perfekte alternative zum Schnürsystem, um dem Schuh ideal an den eigenen Fuß anzupassen. Bisher dürfte ich noch kein solch präzisen Schuh an meinen Füßen gehabt haben. Die Performance an kleinen Tritten ist hervorragend genau wie das hooken mit der Ferse.
Einzig Kletterer mit breiteren Füßen dürften Probleme mit dem Schmalen Leisten haben. Passt der Fuß aber in den Schuh, sollte man noch zusätzlich darauf achten das man die Wölbung des TPS wirklich mit den Zehen greifen kann, also nicht zu eng oder locker kaufen.

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Quellen und Links:


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9 Kommentare »

  • Marc sagt:

    Schöner Bericht – die Aufmachung kommt mir bekannt vor ;)

    Ein paar Freunde von mir haben ebenfalls den Feroce geklettert, allerdings hat sich bei allen die hintere Hooklippe abgelöst – ist dir da nichts aufgefallen?
    Vielleicht hat Scarpa ja inzwischen auch nachgebessert?

    Gruß, Marc

  • Marcus sagt:

    Hi Marc,

    also bis jetzt ist alles noch dran. Oberflächlich kann ich auch keinen Verschleiß in der Richtung erkennen. Wie ja schon erwähnt gibts den Feroce schon ein bisschen länger. Mag durchaus sein das Scarpa nachgebessert hat.
    Ich behalte das aber mal im Auge.

    Update: Ich habe Scarpa zu dem Problem mal direkt angeschrieben, warte nun auf Antwort.

  • Marc sagt:

    Super – Danke dir! Wäre toll, wenn das nicht mehr passieren würde…
    Weiterhin viel Spaß beim Klettern & Bouldern! :)

    Ciao Marc

  • [...] Angeblich wegen Gefuehl und Komfort… Meine Anfrage an Scarpa Deutschland, bezueglich bdes Hookleistenproblems wird noch bearbeitet. Bin gespannt was dabei rauskommt. #gallery-3 { margin: auto; } #gallery-3 [...]

  • Mark sagt:

    Hallo Marcus,

    kannst Du etwas zur Wahl der richtigen Größe sagen? Ich trage in Straßenschuhen zwischen 40 und 41,5 (bei Scarpa 41) und frage mich, wie eng man diesen Schuh kaufen sollte.

    Gruß
    Mark

    • Marcus sagt:

      Hi Mark, also so als Richtwert. Ich habe in Straßenschuhen meistens 41,5. Beim Scarpa Feroce habe ich 39,5. Groesse 40 passt auch prima. Es kommt, denke ich, darauf an wie “aggressiv” du es magst. Wenn du mit 39,5 keine Druckpunkte hast und er dir eng genug erscheint nimm ihn. Wenn du es eher “gemuetlich” willst nimm den 40er.
      Wenn du keine Möglichkeit zum anprobieren hast würd ich mal den 39,5er testen.

  • Mark sagt:

    Dein Tip war genau richtig. Danke! Ich habe jetzt einen Scarpa Mago in 40 links und 39,5 rechts. War eigentlich eine fehlerhafte Lieferung, passt aber perfekt an meine unterschiedlich großen Füße.

    Jetzt muss ich mich noch etwas von meinen alten Mammut Shogun umgewöhnen.

    Gruß
    Mark

  • [...] doch das schlechte Wetter blieb.StehenBeim bouldern in der Halle hat der Boldrini schnell meinen Scarpa Feroce abgelöst. Toehooks lassen sich mit Ihm viel präziser setzen und auch heben, denn durch die um [...]

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